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Der Erste Weltkrieg

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300 000 Menschen.

Begriffe wie soldatische Ehre und soldatische Tugenden verloren auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges an Bedeutung. Kafka schrieb: “ Der Weltkrieg, der alles menschliche Leid gehäuft in sich enthält, ist auch ein Krieg der Nerven, mehr Krieg der Nerven als je ein früherer Krieg ..”.

Im Verlauf des Krieges stieg die Zahl der sog. Nervenkranken sprunghaft an. Viele dieser Erkrankungen erscheinen in keiner offiziellen Statistik.

Die materialintensive Kriegsführung veränderte nicht nur an der Front das Wesen des Krieges. Von dem Mythos der “Unbesiegbarkeit” der Deutschen Armee war nichts mehr übrig. Die Kriegsführung bewirkte auch die Eröffnung einer sog. Heimatfront. Mit dem Ersten Weltkrieg verwandelten sich Nationen zu Kasernen, die Trennung zwischen Mlitärischem und Zivilem entfiel. In einem ersten Schritt war die Wirtschaft betroffen. Die Rohstoffe wurden immer knapper. Die gesamte Produktion wurde auf Kriegsnachschub umgestellt. Die eingeführte militärische Planwirtschaft hatte nachhaltige Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung. Alle Einwohner wurden zum Einsatz in Fabriken verpflichtet oder mußten spezielle Kriegsgüter fertigen in Kleinbetrieben. Je mehr Soldaten fielen, um so mehr Arbeiter mußten zur Front geschickt werden. Die freien Arbeitsstellen wurden durch Frauen oder Kinder besetzt.
Als eine Folge des “totalen Krieges” wurden in der Heimat die Lebensmittel knapp. Deutschland war bei allen Importprodukten von der Außenwelt abgeschnitten. Es wurden Lebensmittelkarten ausgegeben um die knappen Mittel zu rationieren.
Der Großteil der Bevölkerung mußte am Tag mit 1000 Kalorien auskommen. Die Unruhe und die Unzufriedenheit über die Lebensumstände wuchs ständig. Eine anfängliche Begeisterung war in breite Ablehnung in der Bevölkerung umgeschlagen. Es folgte eine gewaltige Umstrukturierung der Arbeiterschaft. Jugendliche verließen die Schulen, tauschten die Sitzbank mit der Werkbank. Runierte Kleinunternehmer sahen sich von den höheren Löhnen der Fabriken angezogen. Traditionelle Geschlechterrollen wurden durch den Broterwerb der Frauen über Bord geworfen; die Mütter mußten ihre Kinder durchbringen und waren weniger von der Emanzipation als von der Notwendigkeit satt zu werden getrieben.
Viele Arbeiter konnten sich mit ihrer Tätigkeit, oft nur angelernt, nicht identifizieren. Die so zusammengewürfelten Arbeiter waren sehr anfällig für Rebellion, für Widerstand. Bereits 1916 kam es zu wilden Streiks, unter anderem weil die Gewerkschaftsführer als umworbene Kooperationspartner kein großes Interesse daran hatten, das Konfliktpotential in der Arbeiterschaft aufzugreifen und den Widerstand zu organisieren. Im Laufe des Jahres 1917 trat das Verlangen nach Frieden als treibendes Motiv immer stärker in den Vordergrund.

Im April 1917 legten in Berlin, Leipzig und anderen Orten die Metallarbeitnehmer die Arbeit nieder. Ende Januar 1918 steigerten sich die Ausstände zur größten Massenbewegung im Kaiserreich, getrieben durch die (USPD), eine sozialdemokratische Partei. Die Kriegstreiber hatten im eigenen Land keinen Rückhalt mehr. Der Großteil der Bevölkerung stand nicht mehr hinter der Heeresführung.

Befehlsverweigerung und Disziplinlosigkeiten sowie Desertationen in der Armee häuften sich. Man kann hier von einem verdeckten Militärstreik sprechen. Als die oberste Heeresleitung Ende September 1918 den militärischen Offenbarungseid leistete und die Niederlage eingestand, brachen die letzten Dämme. In dem Augenblick, als durch die Matrosenrevolte Ende Oktober 1918 die militärische Disziplin zusammenbrach, war der Obrigkeitsstaat nach wilhelminischen Zuschnitt am Ende. Das bismarcksche Kaiserreich von 1871 brach zusammen.

Am Ende des Krieges standen etwa 10 Millionen Tote und ein Riesenheer von körperlich und geistig verletzten Menschen; Europa und Teile der restlichen Welt waren total verwüstet. Hunger und Elend waren lange Begleiter in allen Ländern der Kriegsbeteiligung. Hinzu kamen erhebliche Verwerfungen in den wirtschaftlichen und sozialen Strukturen. Es gab eine gravierende Geldentwertung, erhebliche Vermögensverluste, eine stetig steigende Inflation und eine sehr hohe Arbeitslosigkeit.

Zu den wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Krieges gesellte sich eine maßlose Haßpropaganda gegen die Kriegsgegener. Diese Folgen sollten sich einige Jahrzehnte zu einer zweiten, noch größeren Katastrophe ausweiten, die zeigte, daß man aus dem 1. Weltkrieg nichts gelernt hatte.
  
Siehe auch:
Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Ste...
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Russische Reise: Weltlese Band 6
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Blokada. Die Belagerung
von Leningrad, 1941-1944
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